Judas Iskariot

Wir wissen nicht, wie oder wann Judas Iskariot ein Jünger Jesu wurde, nur dass er von Christus selbst erwählt wurde. Sein Name ist als ein Begriff für Falschheit, Verrat und Schande in die Geschichte eingegangen. Seine Geschichte lässt sich von einem dreifachen Gesichtspunkt aus betrachten.

  1. Wie er die Jünger Jesu hinters Licht führte

Judas spielte seine Rolle als Jünger mit vollendeter Geschicklichkeit. Er war der Kassier dieser Jüngerschar. Aber er war auch ein Prediger, der mit den anderen Jüngern ausgesandt war, um die frohe Botschaft des Heils zu verkünden. Sie Jünger hatten ihm nie misstraut, Er hatte sie alle zusammen erfolgreich hinters Licht geführt. Selbst beim letzten Abendmahl hatten sie ihm nicht misstraut. Als Jesus ihm den Bissen gab, der den Verräter kennzeichnen sollte, selbst dann konnten die Jünger noch nicht glauben, dass Judas ein Verräter sein sollte. Und als Judas sich schließlich vom Tisch entfernte und in die Nacht hinauseilte, dachten die anderen, dass Judas hinausginge, um den Armen zu dienen.

Judas konnte wohl die Jünger Jesu betrügen und hinters Licht führen, doch niemals den Herrn. Der Herr hatte ihn von Anfang an völlig durchschaut. Nirgendwo wird uns in den Evangelien berichtet, dass Judas Jesus seinen “Herrn“ nannte. Er nannte ihn Rabbi, Lehrer, Meister, doch niemals Herr.

Es ist leicht, die Jünger Jesu hinters Licht zu führen. Es ist leicht, sich für einen Christen auszugeben, um als Glied einer örtlichen christlichen Gemeinde angenommen zu werden. Man arbeitet in einer Gemeinde aktiv mit, hat ein Amt, ist getauft und nimmt sogar am Abendmahl teil.  Dies alles, wie Judas die rettende Gnade des Herrn Jesus überhaupt nicht zu kennen.

2. Wie er den Herrn Jesus verschmähte

Judas verschmähte den Herrn Jesus in dreifacher Weise. Zuerst verschmähte er die Worte des Herrn. Er hatte alle Gleichnisse Jesu gehört. Er hatte gehört, wie der Herr die berühmte Bergpredigt und die Ölbergrede gehalten hatte. Er hatte erlebt, wie Jesus seine Feinde immer wieder zum Schweigen gebracht hatte. Er hörte die Botschaft des Sohnes Gottes so oft, dass sie keinen bleibenden Eindruck mehr auf ihn machte.

Fernerhin verschmähte er auch die Werke des Herrn. Er sah all die Wunder Jesu. Er war dabei, als Aussätzige geheilt wurden, als Lahme gehen, Blinde sehen, Stumme sprechen und Taube wieder hören konnten und wie er Dämonen austrieb. Er sah, wie Jesu die Brote und Fische vermehrten. Er sah ihn, wie er auf dem Wasser ging und den Sturm stillte, Er war dabei, als Tote ins Leben zurückgerufen wurden.  Aber vor dem allen, verschloss Judas seine Augen.

Dann verschmähte er auch die Warnungen des Herrn. Habe ich nicht euch Zwölf erwählt? Und euer einer ist ein Teufel?“ bemerkte Jesus einst, Judas hatte es gehört, aber nicht beachtet. Immer wieder gab Jesus Judas eine Gelegenheit sich zu beugen und Buße zu tun, Als Jesus im oberen Saal ankündigte, dass einer der Zwölf ihn verraten würde, machte sich Judas unverschämterweise eins mit Petrus, Jakobus, und Johannes, mit Thomas, Matthäus und Philippus und fragte; „Bin ich’s?“ — „Bin ich’s?“ Er sagte dies einfach, ohne dabei zu erröten, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken, als schon die 30 Silberstücke in seiner Tasche klingelten. Selbst in Gethsemane wäre es noch nicht zu spät gewesen. „Mein Freund“, sprach Jesus, „warum bist du gekommen?“ Selbst dann hätte er sich noch zu Jesu Füßen werfen und ihm seine Heuchelei und Sünde bekennen können. Doch er hat es nicht getan und ist nun auf ewig verloren.

Ja, es ist durchaus möglich, den Heiland zu verschmähen. Es ist möglich, seine Worte zu kennen, sie gut zu kennen, sie auswendig herzusagen und sie oftmals zu wiederholen. Es ist möglich, alle seine Gleichnisse, alle seine Lehren, alle seine Prophezeiungen zu kennen und doch so verloren zu sein wie Judas. Es ist möglich, alles über die Wunder des Herrn zu wissen, selbst Männer und Frauen von heute zu kennen, die lebendige Wunder seiner rettenden Gnade sind – und doch so verloren zu sein wie Judas.

3. Wie er seine Seele zerstörte

Nachdem Judas die ernste Warnung des Herrn im Obergemach mit frecher Unverschämtheit in den Wind geschlagen hatte, lesen wir von ihm: „…da fuhr der Teufel in ihn.“ Jesus nannte Judas den „Sohn des Verderbens“, wörtlich übersetzt: „Sohn der Vergeudung“. Es war eine Vergeudung, das kostbare Blut Jesu Christi für solch einen Menschen zu vergießen. Judas vergeudete jede Gelegenheit, die er zur Buße hatte, beendete schließlich sein Leben durch Selbstmord und ging an seinen „eigenen Ort.“

Judas verriet den Sohn Gottes für eine Handvoll Silberstücke, den armseligen Preis eines Sklaven. Doch er hatte nicht einen einzigen Pfennig davon. Als er sah, dass man Jesus zum Kreuzestod verurteilte, wurde er von Gewissensbissen und Reue geplagt und brachte das Geld den Priestern zurück. Er warf jene verfluchten Münzen auf das Marmormosaik des Tempels. Und wie sie so auf dem Steinboden dahinrollten, rief er aus: „Ich habe übelgetan, dass ich unschuldig Blut verraten habe. „Was geht uns das an?“ war die unbarmherzige Antwort. 

Es besteht ein himmelweiter Unterschied zwischen Buße und Reue. Judas brachte seine Sünde zu den falschen Leuten und an den falschen Ort. Unter Tränen hätte er hinauseilen sollen zu Jesus. Er hätte sich an die durchnagelten Füße Jesu Klammern sollen. Er hätte zu Jesus sagen sollen: „Ich habe gesündigt“, und selbst dann noch, wäre er in dieser letzten Minute errettet worden. Aber das tat Judas nicht. Stattdessen ging er hin und erhängte sich. Menschen, die Christus verwerfen, tun dies gewöhnlich wegen einer bloßen Kleinigkeit. Nicht alle tun dies so kaltblütig für Geld wie Judas. Manche bekommen sogar weniger als 30 Silberstücke als Preis für ihre Seele. Sie verkaufen den Heiland der Welt für einige schlechte Gewohnheiten, die sie nicht aufzugeben bereit sind. Es gibt viele wie Judas, die Reuegefühle über ihr begangenes Unrecht zeigen, jedoch nie zu einen echten Bekehrung durchbrechen.  Für sie öffnen sich die endlosen Zeitalter der Ewigkeit ohne Gott, ohne Christus und ohne Hoffnung.

Aus dem Original von: „Menschen, die dem Herrn begegneten“
EMMAUS-Fernbibelschule www.emmauskurse.ch